Bei nicht-befufstätigen Frauen gibt es immense Unterschiede in der Wahrnehmung. Es gibt Zahnarztgattinnen, die zu Hause bleiben, um sich um die Kinder (9 und 12) zu kümmern, oder Ehefrauen von bodenständigen Handwerkern, die die Kinderchen bespaßen und Schweinebraten kochen. Diese Frauen würde landläufig niemand als “arbeitslos” betiteln, es sind eben Hausfrauen (und Mütter), die ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen managen. Applaus, Applaus, sagt hier der Staat. Herdprämie her, Mutterkreuz her, da sind sie, die Hausfrauen, die mit ihrer schweren Hintergrundarbeit ihren Männchen den erfolgreichen Rücken stärken. “Hausfrau und Mutter”, das ist in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen ein Prädikat. Nicht, dass noch jemand denkt, man hätte es nötig.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch arbeitslose Frauen. Mütter mit drei Kindern (sagen wir 2,4 und 7 Jahre alt) die Hartz IV bekommen, oder wenig verdienen, vor allem natürlich auch Alleinerziehende, die offiziell ja niemanden haben, dem sie ihren Schweinebraten abends anbieten können. Niemand käme auf diese Idee, den Titel “Hausfrauen” hier zu verwenden, schließlich sind das schnöde arbeitslose Weiber.
Die sonst gerne herangezogenen Attribute “faul”, “arbeitsunwillig”, “unambitioniert” und “bequem in der sozialen Hängematte” gelten offensichtlich nur teilweise für Leute ohne Erwerbsarbeit. Ist das komplette Verlassen auf die Ernährerfähigkeit des Partners nicht auch eine soziale Hängematte, die funktioniert? Würde ich meine gut-konservativen Cousinen mal darauf ansprechen, dass man ihren Status tatsächlich auch als Arbeitslosigkeit bezeichnen kann, auch wenn sie keine Leistungen beziehen, dann wäre das ein riesiger Affront, da bin ich mir sicher. Die Sprache spielt hier wieder einmal ihre volle Macht aus, und wir alle machen mit. Gute Erwerbslosigkeit, schlechte Erwerbslosigkeit, es ist alles so einfach in den kleinen gesellschaftlichen Schubladen.
Stellt euch mal vor, was mit der Arbeitslosenzahl passieren würde, wenn sich einfach alle Männer ohne Erwerbsarbeit zu Hausmännern deklarieren würden? Die Familienarbeit leisten, erziehen und neue Steuerzahler produzieren?