Abgesänge

3 Mai

Es ist kompliziert.

Mich interessieren feministische Themen immer noch brennend. Und über diese ganzen Vereinbarkeits- und Augenhöhe-Debatten informiere ich mich immer noch gründlich. Ich hab mir nie eingebildet, eine Lösung gefunden zu haben, ich bin ja froh, wenn meine eigene Familienlösung meistens ganz gut funktioniert und ich sie nicht ständig kaputtgrüble.

Ausgangsidee dieses kleinen Blogs war und ist die Beobachtung, dass feministische Themen oft auch zu fiesen Grabenkämpfen zwischen Frauen werden. Die Solidarität und das Gefühl für ein gemeinsames „An-einem-Strang-Ziehen“ fehlen mir oft, auch wenn ich mich darüber mittlerweile weniger wundere. Es war wohl etwas viel verlangt, dass Menschen, die außer dem Geschlecht (ob zugewiesen oder nicht, keine Ahnung) Frau erstmal nix gemeinsam haben, in vielen so fundamentalen Fragen die gleichen Antworten finden und diese dann nach außen einmütig verteidigen. Ja, ich hab´s kapiert, tschüss Naivität, hallo Welt.

Was mich in den letzten Monaten am meisten zum Schweigen gebracht hat und mir die Lust an der Thematik dann doch oft vergällt hat, steht in Bezug zu einem Post aus dem September des letzten Jahres. Da war ich nämlich beim 5. Geburtstag der Mädchenmannschaft.

Was ich da wahrgenommen und gespürt habe an Arroganz, Feindseligkeit und Intoleranz hat mir echt die Sprache verschlagen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und außer diesem Gefühl, da echt in einem höllischen Kessel zu sitzen, in dem alle nur warten, sich gegenseitig das Feuer noch heißer zu machen, hat mich vor allem traurig gemacht, wie sehr die Debatten eigentlich alle am Leben vorbeigehen.

Ich finde es nett, wenn sich Leute stundenlang beharken, welche Bezeichnungen für was nun ok sind und welche nicht und wie gemein die Welt ist, die eine binäre und heteronormative und überhaupt ganz miese Gesellschaftschaftsordnung erlaubt. Aber diese Debatten haben – mit Verlaub- mit meinem Leben einfach nix mehr zu tun.

Ich weiß schon, dass die klugen Mädchenmannschafts-Aktivist_*Innen (oder wie auch immer ich das jetzt politisch korrekt hätte schreiben sollen) hier wieder die Nase rümpfen und mir attestieren, dass ich halt zu dumm bin für die eigentlichen Debatten und dass ich lieber in meiner Brigitte-Kochbuch-dm-Schminksachen-mal-eine-arte-Doku-schauen-und-sich-toll-fühlen-Welt bleiben soll, wenn ich von den eigentlichen Problemen keine Ahnung hab. Aber mir ist das trotzdem einfach zu viel.

Ich will da nicht dazugehören. Ich will keine Diskurse, die meilenweit an meiner Realität vorbeigehen. Auch wenn es sehr egoistisch ist, meine Realität als Maßstab zu nehmen. Das gönne ich mir jetzt einfach.

Vielleicht ist das auch einfach mal wieder dieses stuck-in-the-middle-Problem. Ich bin zu feministisch für „normale“ Menschen und (gottseidank) viel zu „normal“ für diese tiefen Feminismusdebatten. Ich bin zu sehr an Karriere interessiert, um für Frauen mit dem klaren Fokus Familie interessant zu sein – aber für eine echte Karrierefrau hab ich einfach schonmal ein Kind (und im Herbst ein zweites). Für eine echte Rock´n-Roll-Mama hab ich zu viele Kompromisse gemacht und für eine anständige bürgerliche Mom hab ich zu früh wieder zu viele Zigaretten geraucht.

Und so wabern, wie ihr seht, meine Gedanken heute mal wieder etwas unkoordiniert durch den Synapsendschungel. Es hat mir viel Spaß gemacht, das Bloggen. Und die Geistesblitze, die ich in der Zeit hatte, waren hochspannend.

Jetzt fühl ich mich einfach erstmal sattgegessen an diesen ganzen Dilemmata, die mein Leben so oft so nah berühren und manchmal einfach Lichtjahre entfernt zu sein scheinen. Aber eines will hier noch gesagt sein:

Feminismus ist mehr als die Mädchenmannschaft. Vielleicht ist er sogar genau das Gegenteil.

Antje Schrupp und die Kinderüberraschung

26 Sep

Antje Schrupp ist eine der klügsten Frauen im deutschsprachigen Internet, würde ich einfach mal behaupten. Ihr Blog ist scharfsinnig, abwechslungsreich, eindrücklich und einfach klasse.

Über einen Artikel von ihr habe ich mich ganz besonders gefreut: es ging um das neue Mädchen-Überraschungsei.

Sie hat völlig Recht, wenn sie sagt, dass das eigentliche Drama dabei die Charakterisierung von Männlichkeit ist, nicht die der Weiblichkeit. Denn alles, was für Mädchen ist, ist gleich markiert, nicht mehr neutral, nicht mehr für „echte“ Jungs zu gebrauchen. Das ist das alte Spiel, dass es kein Problem ist, ausrangierte Klamotten kleiner Jungs an die kleine Schwester zu vererben. Aber den Petticoat und die Hello-Kittie-Spaghetti-Shirts einfach an den kleinen Bruder weitergeben? Auf die Idee kämen wahrscheinlich die Allerwenigsten.

Schade eigentlich für die Jungs, die wirklich von kleinsten Kindesbeinen an lernen, dass es Sachen gibt, die nicht für sie bestimmt sind, die verboten sind und nicht akzeptabel.

Später verlangen wir dann Toleranz, Mitgefühl und Gleichberechtigung für eine „Frauen-Welt“, die von Anfang an ziemlich hermetisch abgeriegelt war.

 

 

Fünf Jahre Mädchenmannschaft

21 Sep

Falls ihr euch fragt, was ihr morgen in Berlin alles erleben könnt, habe ich einen Veranstaltungstipp für euch:
Die Mädchenmannschaft feiert heute ihren 5. Geburtstag!
Vielleicht sehen wir uns ja in der Werkstatt der Kulturen in Neukölln und gründen einen Old girls´ club!

Kardinalsfehler

20 Sep

Ähm, gibt es da nicht so eine Grundregel?

Lieber nur einmal im Quartal bloggen als ständig wechseln zwischen „Ich bin dauernd online“ und „Ich bin tot“?

Diesen Kardinalsfehler begehe ich offensichtlich schon wieder und glänze nach vielen Einträgen erstmal wieder durch Schweigen.

Ich warte auf Inspiration. Und Weisheit, vor allem auf Weisheit.
Bis bald!

Es traut sich ja sonst niemand zu sagen…

2 Aug

…aber Kinder sind anstrengend. Und sie nerven. Und machen Krach. Und viele Sorgen.

So ähnlich beginnen in jeder Familien- oder Frauenzeitschrift mindestens drei Artikel.

Ganz verstohlen blicken sich die Autorinnen um, und dann flüstern sie mit aufgeblähten Nüstern, dass Muttersein ja gar nicht immer Spaß macht, und dass man das alles gar nicht mit links schafft, und dass Beruf und Familie echt an den Nerven ziehen.

Ach….Mensch!

Da sagen diese Autorinnen ja echt wahnsinnig mutige Dinge! Da erröte ich ja vor Scham, das habe ich ja noch nie gehört! Da zeigen die einfach die Schattenseiten auf! Da hetzen die plötzlich gegen ihre Kinder, gegen ihr eigenes Fleisch und Blut, gegen die Frucht ihres Leibes!

Pfui Teufel!

Das ist ja so verrucht!

Nichts ist beschissen-konformistischer und nichts ist feiger auf der Welt, als seine Meinungen mit „Es traut sich ja sonst niemand, aber“ zu beginnen.

Und nichts zementiert die eigentlichen Tabus mehr als dieses pseudo-verstohlene Getue.

Jede Mutter, jeder Vater sagt nach der Geburt des ersten Kindes fünf Mal am Tag, wie anstrengend alles ist, und wie nervenaufreibend. Das ist ungefähr so tabubrechend wie einen scharlachroten Spitzenschlüpfer zu besitzen oder ein Kondom für Notfälle im Portmonnaie mit sich herumzutragen. Oder sich heimlich ein You-Porn-Video reinziehen.

Heiliger Bimbam, das geht mir echt von vorne bis hinten auf die Nerven! Auch wenn sich ja sonst niemand traut, das zu sagen.

Ich kann jetzt was ganz Tolles!

2 Aug

Ha, ich kann jetzt Bilder direkt hier einfügen und fühle mich deshalb wie Lady WWW 2012 höchstpersönlich.

Darum nutze ich meine neu gewonnene Fertigkeit sogleich:

Wie schön, dass jetzt die Muttis hinter den Supermarktkassen keine furchtbaren Technik-Spielereien mehr mit ihren Töchtern auspacken müssen, sondern Kämmchen, Haarspangen oder Plastikschildkrötenbabys mit traurigen Augen.

Nun ja, offensichtlich gibt es hier eine Nachfrage, die vom Markt befriedigt werden will.

Die Frage, die sich mir stellt: wer genau legt die neuen rosa Eier denn nun in den Einkaufswagen?

Frauen Würdigung Öffentlichkeit

30 Jul

Tatsächlich sind diese Wort die Top-Suchen, die Menschen zu meinem Blog geführt haben.

Das find ich richtig cool.
Ich will auch, dass Frauen Würdigung in der Öffentlichkeit erfahren, und noch mehr fordere ich nimmermüde: Ich will, dass wir diese Würdigung in der Öffentlichkeit auch untereinander austeilen!

Ich will, dass wir uns wertschätzen, weil wir Frauen sind, weil wir uns alle irgendwann im Leben den gleichen Fragen konfrontiert sind und weil wir diese so mannigfaltig und individuell beantworten.

So viele Frauen, die wild oder zahm, laut oder leise, im Takt oder dagegen sind…mich berührt das echt, und ich wünsche mir, dass ich lerne, auch denen zu applaudieren, die einen anderen Rhythmus gewählt haben als meinen eigenen. Danke für die Buntheit.

 

Meine Gleichberechtigung

26 Jul

Ich habe das dumpfe Gefühl, ich war, was die Gleichberechtigung mit meinem Partner betrifft, auf dem Holzweg.

Zu lange habe ich mich an den Begriff Gleichberechtigung geklammert wie eine Idiotin. Gleich heißt doch, dass du ein Steak bekommst und ich eines  drei, dass du vierzig Stunden arbeitest und ich auch, dass du die Hälte des Kleiderschranks für deine Klamotten hast und ich die andere, dass du gleich lange mit deiner Mutter telefonierst wie ich mit meiner und gleich oft nach Sex verlangst wie ich.

Ich bin froh, dass langsam aus diesem „gleich“ die Luft austritt, und Platz macht für ein ganz anderes „gleich“.

Endlich kannst du zwei Steaks essen und ich nur eines, endlich bekomme ich mehr Platz in unserem Kleiderschrank, in dem deine Hälfte so überschaubar und meine völlig über alle Maßen gefüllt ist, und endlich komme ich langsam dahinter, dass ich auch mit einer 80%-Stelle noch gleich viel Selbstachtung haben darf wie du.

Vielleicht klingt das für euch, liebe kluge LeserInnen, völlig bescheuert. Ist es wahrscheinlich auch. Egal, ich freue mich jetzt einfach daran, dass ich „gleich“ sein kann – und zwar gleich wie meine Bedürfnisse an das Leben.

Luft

23 Jul

Zum ersten Mal seit zwei Jahren hab ich wieder Luft in meinen Lungen. Dass da so viel reinpasst, so viel Sauerstoff, und Sonne, und Leben, das hatte ich fast vergessen und ich bin wie berauscht.

Das Gefühl ist wieder da, dass ich mein Leben in meine eigenen Hände nehmen kann, und dass ich keine Angst davor haben muss.

Meine Güte, wie sehr hab ich das vermisst! Ich war im Museum, ich saß verträumt im Café und ich brauste mit dem Fahrrad durch diese große Stadt und genoss den Fahrtwind, die Geräusche und die Sonnenstrahlen um mich herum.

Es gibt ihn, den Sommer im Herzen!

In diesem ganzen unerbittlichen Alltagsscheiß wohnt immer noch die Abenteuerlust, keine Ahnung, in welchem hinteren Eck sie jahrelang vor sich hin gestaubt hat.

Unsere beste Feindin sind und bleiben wir immer noch selber, weil wir uns in Erwartungen verstricken und irgendwann gar nicht mehr spüren, was da von außen an uns rangetragen wurde und was wir uns selbst vorgenommen haben. Echt wahr, oft fühlt sich alles so bedeutungsschwanger und unerlässlich an, und in Wirklichkeit sitze ich die ganze Zeit am Steuerknüppel meines Lebens und merke so lange nicht, dass ich den Autopiloten auch einfach mal auf „Aus“ schalten kann.

Ich wünsche euch heute das Gefühl, dass ihr am Ruder sitzt in eurem Leben, und ich wünsche euch ganz viel frische, sonnenwarme und nach Freiheit duftende Luft in den Lungen!

Fünf Minuten für Ihren straffen Po!

22 Jul

Irgendwie hab ich´s wohl gerade mit Frauenzeitschriften, aber über die gibt es ja doch einiges zu lästern und am meisten geht mir auf die Nerven: dieses ewige „Fünf Minuten nur für dich“-Geschwätz.

Neben den fünf Minuten für einen strahlenden Teint bieten sie uns in nur fünf Minuten einen flachen Bauch, in acht Minuten ein inneres Gleichgewicht, in drei Atemzügen die perfekte Einstellung zum Partner, in nur fünf kleinen Schritten das perfekte Augen-Makeup, und wenn wir uns zehn Minuten Zeit nehmen, dann steht auch ein wohlschmeckendes und nahrhaftes Light-Abendessen auf dem Tisch.

In einer viertel Stunde Förderung am Tag werden unsere Kinder schlauer, in fünf Minuten unsere Libido größer, in einem knappen Stündchen unsere Allgemeinbildung lückenlos und in weiteren vier Stufen verändern wir unsere innere Einstellung zur Schokolade, dass wir sie einfach nicht mehr essen wollen.

Bei der Verfolgung der Hälfte aller Fünf-Minuten-Strategien ist mein Tag verplant und mein Feierabend völlig im Eimer.

Ich hab keine Lust, als völlig selbstökonomisierter Zombie jeden Morgen fünf Minuten Morgenluft auf dem Balkon zu schnappen, um dann fünf Minuten Power-Walking zu betreiben und mein fünfminütiges Zucker-Öl-Peeling auf die Oberarme zu massieren, während mein Wellnesstee gerade fünf Minuten ziehen muss.

Fünf Minuten für mich, das reicht für eine Zigarette, ein Glas Bier, einen stürmischen Quickie oder einen Artikel aus einem spannenden Blog.