Aber man muss doch gerne verzichten!

4 Nov

Beliebte These in den Internet-Kämpfen ist die Idee, dass Mütter gerne auf ihre Freiheiten verzichten, wenn sie ihre Kinder wirklich lieben.

Der ewige Schlafmangel, die 24/7-Verfügbarkeit des Stillens, das Anpassen des Lebensstils an die Stuhlgangfrequenz des Babys, das macht eine Mutter alles unwahrscheinlich gerne. Denn, so ist die einhellige Meinung, sonst muss man ja auch keine Kinder bekommen.

Mütter, die verzweifelt nach Stillstrategien suchen, um abends ohne schlechtes Gewissen ein Glas Wein zu trinken oder eine Zigarette zu rauchen, werden sogleich von den echten Kampfmüttern überrollt. Gerne verzichten, man muss gerne verzichten, wenn man als Mutter reüssieren will. Alles andere ist Kindeswohlgefährdung.

Ich habe über Verzicht lange nachgedacht. Mir war immer so, dass das Prinzip von Verzicht bedeutet, etwas wegzulassen, was man gerne tut. Es bedeutet das Opfern einer eigentlich geliebten Sache.

Wer Rosenkohl hasst und stolz verkündet, er oder sie „verzichte“ jetzt auf Rosenkohl, verzichtet doch eigentlich gar nicht, oder? Wenn ich Rotwein hasse, dann trinke ich eben keinen, mein Verzichtgefühl dabei ist gleich null.

Warum sollen dann Mütter auf einmal gerne verzichten auf Dinge, die ihnen lieb waren?

Würden junge Mamas das Konzept des jubelnden Verzichtes auf jegliche Freiheit endlich einmal aufbrechen und laut sagen, dass der Verzicht bei der Geburt des ersten Kindes ungeahnt groß ist, dann wären wir einer Solidarität unter Frauen ein Stück näher. Denn keine Frau der Welt muss gerne verzichten, wenn sie Mutter wird. Sie tut es intuitiv, meckert dabei kaum und aktiviert in der neu entbrennenden Mutterliebe alle vorhandenen Ressourcen.

Aber jubelnd Schlaf, Wein, Zigaretten und der Herrschaft über die eigenen Brüste entsagen, das muss niemand.

In diesem Sinne nutze ich die Chance und rauche eine Solidaritätszigarette (R1, leichtere gibt´s nicht) mit all uns verzichtenden Mamas der Welt. Ich ziehe meinen Hut vor euch.

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Eine Antwort to “Aber man muss doch gerne verzichten!”

  1. Julia 5. November 2010 um 10:48 #

    hach! ❤

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