Ich lasse mein Kind doch nicht von anderen Leuten erziehen!

12 Nov

Ich habe lange überlegt, ob ich meine eigene Meinung zum Thema „Arbeitende Mütter“ posten soll oder nicht.

Auch ich kann mich der Angst nicht entziehen, die falsche Entscheidung zu treffen und irgendwann meinen Sohn im Gefängnis zu besuchen, weil er wegen emotionaler Defizite aus der Kindheit zum Massenmörder und Vergewaltiger geworden ist. Und gleichzeitig sehe ich dann mich in zehn Jahren in der Gummizelle. Ich haue meinen Kopf gegen die Wände und singe „Der Kuckuck und der Esel“.

Ich werde wieder arbeiten und mein Kind wird fremdbetreut werden (zum Wort „fremdbetreut“ muss ich einen eigenen Eintrag schreiben, welch Glanzstück der deutschen Sprache). Schon von ziemlich kleinen Beinen an.

Wenn mir Eltern sagen „Ich lasse mein Kind doch nicht von anderen Leuten erziehen!“, dann sage ich: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“

Ich kann das nicht alleine, auch nicht mit meinem Partner. Erziehen ist Schwerstarbeit, auch bei den Minis, bevor das Erziehen eigentlich losgeht. Acht Stunden Büro, Baustelle, Callcenter, Friseursalon oder Wursttheke kommen mir ziemlich mickrig vor gegen einen Job, der 24 Stunden lang maximal fünf Meter von einem entfernt liegt. Und das in den eigenen vier Wänden.

Ob ich das so laut sagen darf? Ruft jetzt jemand das Jugendamt, weil ich als Mutter heillos überfordert bin und mein Kind jetzt schon verroht?

Da ist sie wieder. Die Angst, als Mutter doch nicht den Königsweg gewählt zu haben. Und das einzige, was dagegen helfen kann, sind solidarische Schwestern, Verstehende im Geiste – gute  Feindreundinnen.

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2 Antworten to “Ich lasse mein Kind doch nicht von anderen Leuten erziehen!”

  1. Lisa 16. November 2010 um 15:00 #

    Hey Maria, nun hab ich deinen spannenden Blog entdeckt und gehe jeden Tag mal auf die Seite – aber wo bleibt Nachschub?! 🙂 Nein, wollte nicht meckern, nur zu erkennen geben, dass mich deine Texte sehr interessieren und ich mich sehr freue, was von dir zu lesen!

    Aaaah, jetzt hab ich auch entdeckt, wie ich mich informieren lassen kann, wenn sich hier was tut, super!

  2. mama007 4. Mai 2011 um 08:52 #

    Hallo,
    jaaa, heute habe ich weitergelesen. Kannst du dir vorstellen, wie unglaublich erleichternd es ist, Dinge zu lesen, über die man schon sooo lange das Gleiche denkt (und nun auch schreibt?).
    „Fremdbetreuen“… „Waaaaas, schon mit einem Jahr in die KITA??????“, „Du gehst nach SECHS Monaten schon wieder arbeiten???? Dann kannst du doch gar nicht STILLEN!“. Wenn die wüssten, dass ich sogar schon 2 Wochen nach der Geburt wieder zuhause weitergearbeitet habe…. Rabenmutter, höre ich immer wieder raus. Ich bin SO froh, dass der Kleine Mann nun größer ist (3) und die Kommentare dementsprechend seltener und (Wunder!) ich es mittlerweile mit „Ist mir wurscht“ nehmen kann. Lass die man sich aufspulen.
    Nur gegen das schlechte Gewissen dem Kleinen Mann gegenüber bin ich immer noch nicht gewappnet. Ich denke auch immer, wenn er größer ist und irgendwas schief geht (egal was, das sehen wir dann), dann werde ich mich als die allerschlechteste Mutter der Welt fühlen. Funktioniert also doch, die soziale Konditionierung.

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