Bekenntnis zum F-Wort

8 Jan

Ist das Bekenntnis zum Begriff „Feministin“ wirklich so wichtig? Das fragte mich gestern Martin in einem Kommentar.

Ich denke: JA!

Es gibt viele Facetten und eine lange, gewachsene Historie des Begriffes, das ist richtig. Und auch, wenn sich Frauen nicht mit allen dieser Facetten identifizieren können, halte ich ein Bekenntnis zur emanzipatorischen Bewegung für unabdingbar. So zu tun, als ob der Feminismus vorbei wäre, oder gar verrückt, ist ein Arschtritt für all die Frauen, die seit so langer Zeit für eine Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen. „Die machen zwar die Drecksarbeit, aber so richtig identifizieren kann ich mich damit nicht, eigentlich ist ja schon alles geregelt.“- das ist eine kurzsichtige und ziemlich unsolidarische Einstellung.

Bekenntnis zum Feminismus heißt doch auch, sich bewusst über immer noch vorhandene Unterschiede, über immer noch präsente Diskriminierung, über immer noch nicht erreichte, aber notwendige Ziele zu werden. Darum wünsche ich mir, dass immer mehr Frauen auf die F-Frage mit einem klaren „JA“ anworten können.

Wie gesagt: ich glaube, es ist einfach wieder eine große Unsolidarität unter Frauen. Die einen als zottelige, achselbehaarte Waldweiber darzustellen, die irgendwo in der Emma oder auf den Bäumen für die Gleichberechtigung einstehen, während die moderne, gut ausgebildete Karrierebraut das ja gar nicht mehr nötig hat.

PS: Martin, denk doch mal an die Linke! Braucht es da, trotz historischer und ideologischer Fehltritte, nicht auch ein klares Bekenntnis?

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2 Antworten to “Bekenntnis zum F-Wort”

  1. Martin 8. Januar 2011 um 09:40 #

    Liebe Maria,
    vielen Dank für Deine Antwort und für Deine kleine Anspielung am Ende.
    Damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen: Natürlich geht es um ein klares Bekenntnis! Aber geht es wirklich um ein Bekenntnis zu einem bestimmten Begriff, Feminismus z.B. oder auch Kommunismus.
    Beide werden doch oft aus reiner Tradition benutzt um eine bestimmte Klientel zu bedienen bzw., aus der anderen Richtung, sich einer ganz bestimmten Gruppe anzugliedern.
    Ich befürchte einfach, dass die Verwendung solcher „harter“ Begriffe den Blick verstellt für tatsächliche Emanzipation.
    Mit Deiner Kritik am Verhalten vieler Frauen hast Du gewiss Recht. Aber nicht jedeR, der Feminismus als Begriff oder Konzept ablehnt, ist gleichzeitig unemanzipatorisch.
    Darauf wollte ich hinaus.
    Gleiches gilt im Übrigen auch für die überaus lustige Kommunismus-Debatte gerade. Anstatt sich an Wörter zu klammern, sollte lieber über den Inhalt nachgedacht werden. Nur dort braucht es klare Bekenntnisse.

    • Maria 8. Januar 2011 um 13:14 #

      Lieber Martin,
      die Frage der Bekenntnisse zu großen und so viel beinhaltenden Terminologien ist groß und schwierig. Gerade in Bezug auf die Linke sehe ich oft, wie sich auf Grund minimaler inhaltlicher Abweichungen immer weitere Abspaltungen und Teilgruppen gebildet haben, die meines Erachtens nach dem eigentlichen Ziel nicht gerade entgegenkommen.

      Große Begriffe können sehr nützlich sein, und der Feminismus scheint mir absolut ein solcher zu sein. Es ist oft eine Frage des Mutes, sich einem vielleicht schwierigen oder gar anrüchigen Begriff anzunehmen und ihn sich zu eigen zu machen, mit Leben zu füllen- nein, ihn zu leben. Ich sehe den Feminismus da gar nicht so intellektualistisch wie du, sondern als Flaggschiff, das viele unterschiedliche Bootsfrauen und -männer aufnehmen kann.

      In Detailfragen kann jedeR streiten, diskutieren, abwehren, sich die Haare raufen, solange das große Ganze, das eigentlich dahinterstehende Problem, als solches gesehen und anerkannt wird.

      La izquierda unida, jamás será vencida, und el feminismo unido wäre auf jeden Fall viel weniger angreifbar, würde sich ihm selbstbewusster angenommen.

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