Ein hässliches „I“ in der Mitte

9 Jan

Ich kann nicht nachvollziehen, warum immer noch so viele Frauen geradezu beleidigt sind, wenn sie als Ärztinnen, Studentinnen, Politkwissenschaftlerinnen oder Terroristinnen bezeichnet werden.

Diese „Sprachverstümmelung“ finde ich genauso verstümmelnd wie die Konjugation von Verben oder das Anpassen eines Satzprädikates an den richtigen Fall. Wenn ich mir manchmal den Spaß erlaube, in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe nur die weibliche Form als Zuschreibung zu benutzen, dann kommt der Protest gleich von allen Seiten, zumindest aber leises Gelächter. Haha, wir Studentinnen, haha, dabei sind da ja auch Männer, hoho.

Judith Butler predigt es schon seit Jahrzehnten, aber richtig angekommen ist es immer noch nicht. Sprache ist Machtinstrument Nummer eins und prägt unsere Wirklichkeit in einmaliger Art und Weise. Wir sehen und erspüren nur das, was wir mit Worten auch ausdrücken können. Wenn wir nicht erspüren, dass es auch Malerinnen, Mörderinnen, Köchinnen und Professorinnen gibt, dann erspüren wir auch nicht, dass wir ein nicht wegzudiskutierendes Recht auf die eigene Sichtbarkeit haben.

Wir Frauen sind da! Wir verstümmeln nicht die Sprache, und schon gar nicht die Realität!

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