Von Partizipien und pseudeo-intellektuellen Frauen

24 Apr

Ich habe mal wieder einen Artikel gelesen, es ging um geschlechtergerechte Sprache und darum, dass die Partizip-Formen als geschlechtsneutrale Begriffe grammatikalisch total bescheuert seien. Ich wollte den Artikel erst hier verlinken, ich hab´s mir anders überlegt, weil nicht jeder Schwachsinn auch noch diese Ehre erfahren muss. Man oder frau google „Ich bin kein Partizip“, dann ist es ganz leicht.

Wieder einmal eine junge, schrecklich moderne und intellektuelle Pseude-Journalistin, die jetzt aber echt mal wieder auf den Putz haut, weil, naja, räusperräusper, also wenn man mal bedenkt, dass „Studierende“ ja eigentlich ein Partizip Präsens sei, kicherkicher, also das sei ja echt total albern, das als Anrede zu benutzen, weil Studierende studieren ja gar nicht immer,hihi, und außerdem haben Unis ja echt dringendere Probleme als geschlechtergerechte Sprache, haha, ja, die Ausstattung ist ja so schlecht an den Unis. Ja, Madame hat recherchiert und weiß, was ein Partizip Präsens ist, das macht sie wirklich pfiffig, und dann zitiert sie noch Max Goldt, (den unsymphatischen Patriarchator-Intellektualisten, der mir so einfällt), huhu, aber wenn sogar DER sagt, dass Partizipen lächerlich sind als Anrede, naja also bitte, dann muss das doch endlich klar sein. Achso, tatarataaa, die Schweden machen es nämlich auch nicht, also das mit der geschlechtergerechten Anrede, und was aus Schweden kommt, ist eh immer überzeugend.

Da hat ihr Chefredakteur ihr sicherlich ganz lieb den Hinterkopf gestreichelt, bei soviel Recherche, und sicherlich fühlt sich die Autorin jetzt ungemein stark, weil sie als moderne junge Frau ihre Meinung gesagt hat- und das auch noch mit Hilfe von unschlagbaren Grammatik-Argumenten, die wirklich auch dem letzten Hirni zugänglich sein sollten. Ein Schlag ins Gesicht aller doofen Emanzen-Weibern, die echt dachten, es geht bei dem Wort „Studierende“ gar nicht ums Partizip oder nicht, sondern um einen Versuch, im Wald von Binnen-Is und Gender Gaps punktuell neue Wege einzuschlagen.

Das Argument „Es gibt jawohl dringlichere Probleme als…“ kann ich echt nicht mehr hören, es blutet mir in den Ohren. Im Vergleich zum angolanischen Sozialsystem ist Hartz IV sicherlich ein hochattraktives Angebot, und die Demokratie im Iran wird anders interpretiert als in Frankreich, aber dieser Vergleichsrelativismus ist oft so ziemlich das Unproduktivste und Dämlichste, was einer Debatte so gemeinhin passieren kann.

Aber ich kann der Autorin nur auf die Schulter klopfen. Sie hat es geschafft, innerhalb weniger Tage 150 Kommentare zu ihrem unreflektierten Gewäsch zu sammeln. Wow. Das könnte mir nicht passieren.

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2 Antworten to “Von Partizipien und pseudeo-intellektuellen Frauen”

  1. Klü 28. April 2011 um 14:44 #

    Und sie hat nicht mal Bastian Sick erwähnt? Er ist doch sicherlich derjenige, der am meisten gelesene Sprachkritiker Deutschlands im Moment, und hat genau darüber geschrieben. Die Argumentation findet sich exakt so in irgendeinem der Dativ/Genitiv-Bände. Ich räume allerdings ein, dass ich seine Meinung teile. Dann lieber StudentInnen. Das müsste dir doch auch eher lieger, ist es doch (gesprochen) beinahe ein generisches femininum 😉

    • Maria 2. Mai 2011 um 08:23 #

      Bastian Sick wurde natürlich zu Genüge in den 150 Kommentaren durchgenudelt. Dieser Prophet der deutschen Sprache bleibt einem doch nicht erspart, wenn es um so was geht…

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