Bist du schon Hausfrau oder noch arbeitslos?

11 Mai

Bei nicht-befufstätigen Frauen gibt es immense Unterschiede in der Wahrnehmung. Es gibt Zahnarztgattinnen, die zu Hause bleiben, um sich um die Kinder (9 und 12) zu kümmern, oder Ehefrauen von bodenständigen Handwerkern, die die Kinderchen bespaßen und Schweinebraten kochen. Diese Frauen würde landläufig niemand als „arbeitslos“ betiteln, es sind eben Hausfrauen (und Mütter), die ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen managen. Applaus, Applaus, sagt hier der Staat. Herdprämie her, Mutterkreuz her, da sind sie, die Hausfrauen, die mit ihrer schweren Hintergrundarbeit ihren Männchen den erfolgreichen Rücken stärken. „Hausfrau und Mutter“, das ist in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen ein Prädikat. Nicht, dass noch jemand denkt, man hätte es nötig.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch arbeitslose Frauen. Mütter mit drei Kindern (sagen wir 2,4 und 7 Jahre alt) die Hartz IV bekommen, oder wenig verdienen, vor allem natürlich auch Alleinerziehende, die offiziell ja niemanden haben, dem sie ihren Schweinebraten abends anbieten können. Niemand käme auf diese Idee, den Titel „Hausfrauen“ hier zu verwenden, schließlich sind das schnöde arbeitslose Weiber.

Die sonst gerne herangezogenen Attribute „faul“, „arbeitsunwillig“, „unambitioniert“ und „bequem in der sozialen Hängematte“ gelten offensichtlich nur teilweise für Leute ohne Erwerbsarbeit. Ist das komplette Verlassen auf die Ernährerfähigkeit des Partners nicht auch eine soziale Hängematte, die funktioniert? Würde ich meine gut-konservativen Cousinen mal darauf ansprechen, dass man ihren Status tatsächlich auch als Arbeitslosigkeit bezeichnen kann, auch wenn sie keine Leistungen beziehen, dann wäre das ein riesiger Affront, da bin ich mir sicher. Die Sprache spielt hier wieder einmal ihre volle Macht aus, und wir alle machen mit. Gute Erwerbslosigkeit, schlechte Erwerbslosigkeit, es ist alles so einfach in den kleinen gesellschaftlichen Schubladen.

Stellt euch mal vor, was mit der Arbeitslosenzahl passieren würde, wenn sich einfach alle Männer ohne Erwerbsarbeit zu Hausmännern deklarieren würden? Die Familienarbeit leisten, erziehen und neue Steuerzahler produzieren?

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9 Antworten to “Bist du schon Hausfrau oder noch arbeitslos?”

  1. kreadiv 11. Mai 2012 um 10:35 #

    Dann sind alleinerziehende Mütter die „besseren“ Frauen?

    Ganz ehrlich klatscht mir kein Mensch dafür Applaus, dass ich daheimgeblieben bin, um für die Kinder da zu sein. Schon gar nicht der Staat.

    • Maria 11. Mai 2012 um 11:00 #

      Es geht mir in diesem Post einfach um die Begrifflichkeiten, und die sind nicht (nur) staatlich, sondern doch vor allem gesellschaftlich festgelegt.

      Ich sehe einfach, wie viel auch in meinem Umfeld über „Arbeitslose“ gesprochen wird, denn die sind ja faul, unwillig und unfähig. Und dann gibt es plötzlich eine große Gruppe Erwerbsloser, meistens sind das Frauen, die keine Transferleistungen beziehen, für die das Attribut „Hausfrau“ gilt, und die sind dann mit der Gruppe der „Arbeitslosen“ plötzlich nicht mehr gemeint.

      Ganz ehrlich, das befremdet mich. Bei ganz kleinen Kindern ( wie auch immer man diese Gruppe definiert) herrscht vielleicht noch Einigkeit, dass dadurch für mind. eine Person Erziehung zum Hauptberuf wird, aber allerspätesens ab drei Jahren wird dann aufgeteilt in „gute“ und „schlechte“ Leute ohne Erwerbsarbeit.

      Und das Problem gilt doch auch und gerade für Männer. Stell dir vor, dass sowohl Mutter als auch Vater sagen: Wir bleiben jetzt drei Jahre zu Hause bei unserem Kind, diese Zeit kommt nie wieder, und dann fangen wir wieder an, halbtags zu arbeiten. Ich wage zu behaupten, dass ich die gesellschafliche Reaktion darauf kenne.

  2. Jo 15. Mai 2012 um 09:52 #

    „Würde ich meine gut-konservativen Cousinen mal darauf ansprechen, dass man ihren Status tatsächlich auch als Arbeitslosigkeit bezeichnen kann, auch wenn sie keine Leistungen beziehen, dann wäre das ein riesiger Affront, da bin ich mir sicher.“

    Und das ist genau die Fehleinschätzung, die uns immer wieder unter unterläuft. Selbstverständlich beziehen „Hausfrauen und Mütter“ massive Subventionsleistungen. Diese nennt sich z.B. Ehegattensplitting (bei sehr gut verdienendem Ehegatten sind das schnell mal 600-800 Euro) und Familienversicherung bei der Krankenversicherung (ca. 500 Euro/Frau und noch mal so 200 bis 300 Euro pro Kind).

    • Maria 16. Mai 2012 um 06:11 #

      Absolut richtig, vielen Dank für diese Klarstellung.

      Über das Ehegattensplitting will ich seit mindestens einem Jahr einen Artikel schreiben, schaff es aber einfach nicht, weil ich jedes Mal beim Schreiben eine solche Wut bekomme. Und ich einfach kein einziges Gegenargument nur ansatzweise plausibel finden kann. Ein schwieriges Feld.

      Und diese Familienversicherung ist wirklich auch so eine Sache. Da kann ich verstehen, dass die Zahl der Eheschließungen konstant bleibt, denn dieser Vorteil, einfach so kostenlos mitversichert zu sein, nur weil man geheiratet hat, ist wirklich ohne Vergleich.

  3. Helen 1. Juli 2012 um 16:40 #

    Hallo? Hallo! Hallo?!?
    Ist ganz schön ruhig hier bei den guten Feindinnen…
    Leider!
    Würden uns sehr über baldige neue Blog-Einträge freuen.
    LG und Danke,
    LipstickandLaptop

    • uta 2. August 2013 um 08:49 #

      Dieser Widerspruch in der Bewertung zwischen verschiedenen Gruppen erwerbsloser Frauen ist sehr tief in der deutschen Gesellschaft verwurzelt. Durch das Steuerrecht wird gut verdienenden Männern ihre „Hausfrau“ subventioniert, die gesetzliche Krankenversicherung umsorgt die Hausfrau gratis mit und die übrige Bevölkerung muss dies ungefragt subventionieren. Schließlich ist es sogar so, dass eine Hausfrau, die ihr Leben vollzeit an der Seite eines gut verdienenden Ehegatten verbracht hat sich in der Rente besser steht als eine Frau, die vollzeit Zeit Lebens als Krankenschwester oder in ähnlich entlohnten Berufen gearbeitet hat. Und am allerbesten stehen sich die strategischen Hausfrauen, die Versorgerehen mit positiver Trendkurve im Verdienst des Ehemannes eingehen und Rentenanwartschaften sammeln…. Und Kinder von verschiedenen Versorgern. Doch auf die zeigt niemand mit dem richtenden Zeigefinger. Meistens sind es ja mehrfache Kindsmütter und gelten als schutzwürdig in einem Land was ohnehin nur knapp 1,4 Prozent Geburtenrate hinbekommt. Sobald eine Frau jedoch gezeigt hat, dass sie wirtschaftlich unabhängig sein kann, verlässt sie diesen speziellen schutzwürdigen Bereich einer Hausfrau. Das ist natürlich nicht richtig aber dies ist wohl die Denkweise in unserm Land.

  4. günsti reisen 11. Mai 2013 um 07:27 #

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  6. Uta 2. Oktober 2014 um 19:47 #

    Der Staat lockt den ein oder anderen Mann ja noch damit, seine Partnerin insbesondere nach der Geburt gemeinsamer Kinder zur Hausfrau mutieren zu lassen. Der steuerliche Effekt für den außertariflichen Familienernährer, wenn er verheiratet ist, ist zunächst positiv. Auch bei der 5\3er-Kombination im Zuverdienermodell. Doch etwa denselben Betrag, den ihm der Steuervorteil zunächst einbringt, darf der Mann von Welt – sofern er privat krankenversichert ist, dann für die Krankenversicherung seiner Hausfrau oder Quasi-Hausfrau ausgeben. Selbst wenn sich diese freiwillig gesetzlich versichern darf, geht die gesetzliche Krankenkasse hin und kalkuliert den Beitrag so, als würde die Hausfrau 50 Prozent vom Ehegatteneinkommen erhalten. Das nennt sich wohl Solidaritätsprinzip.

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