Ein Bisschen erschrocken

17 Jul

Ich könnte, wie gesagt, etliche Zitate aus dem Buch „Der dressierte Mann“ von Esther Vilar hier posten, aber ich will nich über Gebühr langweilen. Ein paar Schmankerl heb ich mir noch auf für später, aber hier muss ich von meinem Lektüreerlebnis berichten.

Denn trotz all dem Schauder, der mir beim Lesen den Rücken hoch und runter lief, bin ich ziemlich erschrocken, als ich an einigen Stellen nachvollziehen konnte, was ihre eigentliche Grundthese ist.

Denn alles baut in ihrem verrückten Buch darauf auf, dass Frauen durch die Macht der Erziehung die Zügel für die Werte ihrer Kinder ziemlich fest in der Hand halten, und dass sie ihre Bilder von den „typisch männlichen“ und „typisch weiblichen“ Aufgaben für das Leben an ihre Kinder weitergeben.

Mit jedem „Heul nicht, ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ und „Du bist doch eine kleine Prinzessin, das tun kleine Prinzessinnen nicht!“ erklären wir den ganz kleinen Menschen die Welt und sagen, was geht und was nicht geht.

Natürlich sind nicht die Mütter die exklusiv einzigen, die Einfluss auf Kinder einüben, aber es ist nicht zu verachten, wie sehr die Weltsicht von Kindern geprägt ist von der Weltsicht von Mama und Papa.

Den anderen Überbau, den die Autorin spinnt, finde ich echt ziemlich paranoid (These: böse, aber sehr dumme Frauen dressieren Männer durch Schönheit und Sex dazu, sie für das unterdrückte Geschlecht zu halten, um ihre Weltmachstellung und ihre unendliche Faulheit zu sichern), aber da berührt mich das Buch schon irgendwie.

So sehr ich mich in vielen Dingen lösen wollte und will, so sehr bin ich oft meiner Mutter Tochter. Ich kämpfe jeden Tag gegen das an, was fast zwanzig Jahre lang mein Weltbild war, und ich brauche wirklich viel Kraft dafür. Jeden Tag sagen, dass ich nicht dankbar sein muss, einen aktiven Partner und Vater an meiner Seite zu haben, jeden Tag sagen, dass ich nicht ein Bisschen gaga bin, zur Arbeit zu gehen, jeden Tag sagen, dass ich nicht für jeden Kackhaufen, der auf meinem Kopf landet, „Bitte“ und „Danke“ sagen zu müssen.

Es hat zwar lange gebraucht, aus dem Geschwafel von Frau Vilar genau das herauszulesen, aber dann hat die Lektüre mich doch wieder mal ein Stückchen weiter gebracht.

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